← Tool box

Art as non-violent resistance and peace-activism

4–6 minutes

Often only the formal, orchestrated and "top-down" measures are visible as peace-building work, while the informal, individual and unauthorized contributions to the design of a social peace discourse remain invisible. This is especially the case with local, peace-building actions and projects in the art and culture sector, which are overlooked, harassed or considered at most as an accompanying aspect.

Instead, it must be recognised that the design of safe spaces for art and culture, especially in times of violence and conflict, may be "over-life-important" for collective identity, self-determination and political participation. They receive peaceful, nonviolent perspectives that defy normalized violence. Art can be a means of transformation, from a culture of violence to a culture of peace. It opens physical and mental spaces of gathering, exchange and reconciliation. Thus art becomes the means for nonviolent resistance and peace-activism.

Greetings from Sarajevo 1993

The creation of spaces for art and culture are signs of convulsion and empowerment. Whether with cellar concerts, improvised theatre or the Miss Besetes-Sarajevo-Wahl1

In her postcard set "Greetings from Sarajevo 1993", the artist collective TRIO redesigned world-famous advertising and art designs to draw attention to the situation in Bosnia-Herzegovina. The imitation of, for example, Coca-Cola advertising also criticised the sensational greed and the regular consumption of war images, but where solidarity and peace are left. The postcards were therefore also called for self-reflection and solidarity with those affected by war and violence.

Art and cultural activities tried to bridge between the peaceful rest of the world, which continued to turn, and their encircled reality in the occupation. Art collectives and actions like the TRIOs are expressions in spite of vitality and resistance not to be pushed to the edge of the world. These postcards to the world symbolized that Sarajevo had not left the world. Instead, they remind the world that she had left Sarajevo.

Another Brick in the Wall

Wall art – many initially connect the Berlin Wall. Wall art was illegal, cross-border, spontaneous and unorganized; she was peaceful, nonviolent and political. Painted pieces of masonry are still striking both conflict, violence and separation, as well as the commitment of the many individuals who resisted it.

Graffiti-Kunst bietet einen niederschwelliger Zugang für große Teile der Bevölkerung zu einem kostengünstigen und schnellen kommunikativen Mittel für politische Statements. Sie ist eine Möglichkeit zur künstlerischen Gestaltung und damit Vereinnahmung ihres Umfelds. Sie ermächtigt Menschen an Orten, die sonst ungesehen und ungehört bleiben. Somit erlaubt sie den Künstler*innen ihre Nachricht sichtbar zu machen, und gleichzeitig selbst anonym, unsichtbar und geschützt zu bleiben.

Diese Form der ‚Politik zum Selbermachen‘ ist ein Beitrag zum öffentlichen oder verbotenen Diskurs. Graffitis können Mitbürger*innen aufrufen sich zu positionieren und engagieren, friedenspolitische Gedanken zuzulassen und zu unterstützen. Der positive und starke Effekt von Graffiti-Kunst, die täglich die Aufmerksamkeit unzähliger Menschen provoziert, darf demnach nicht unterschätzt werden. Sie zeigt was mensch tun, sagen und sein kann.

Da Graffitis meist illegal und verpönt sind, sind sie zugleich Widerstand gegen die herrschende Klasse und ein Akt des Ungehorsams. Sie sind Ausdruck der ‚Macht der Vielen‘ und Beweis, dass es immer Stimmen des Friedens gibt – in Solidarität mit Aktivist*innen und Betroffenen oder in Opposition zu denen, die vom Konflikt profitieren. So zum Beispiel in Nikosia, Zypern, wo solche Graffitis insbesondere entlang der UN-Pufferzone zu finden sind. Diese manifestiert den seit 40 Jahren ungelösten, eingefrorenen Konflikt und die geographische Teilung der ethnischen Bevölkerungsgruppen. Die Graffitis sind Ausdruck gegen radikale, korrupte Regierungen und für die Vision eines geeinten Zyperns, beispielsweise repräsentiert durch die Zivilbewegung ‚Unite Cyprus Now‘². Ähnliche friedenspolitische Graffiti an Mauern, die ‚top-down‘ organisiert, autorisiert und formal Bevölkerungsgruppen teilen, finden sich beispielweise auch in Israel und Palästina

In Nordirland hingegen wurden friedensaktivistische Graffitis ein Zeichen des gewaltfreien Widerstands gegen dominante, radikale und militaristische Gruppen innerhalb der Bevölkerung. Häuserwände und Mauern, die zum Teil konfessionelle Viertel abtrennen, wurden im Zuge des Nordirlandkonflikts ‚traditionell‘ für militaristische Motive und Statements gebraucht, die die eigene Konfliktgruppe heroisieren und die andere dämonisieren. So wurden Konfliktnarrative manifestiert, normalisiert und es wird tagtäglich an sie erinnert. Künstlerkollektive wie ‚Urban Vizuals‘ in Derry, erobern die Mauern für positive, witzige gesellschaftspolitische Statements und Motive zurück. Damit erreichten sie eine Veränderung in der Wahrnehmung und Vorstellungskraft dessen, wie öffentlicher Raum und Gesellschaft sein können. Ähnliche Abbildungen gesellschaftspolitischer Diskurse über Konflikt und Frieden finden sich auch in Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Serbien.

Kreative Friedensarbeit

Kunst bedeutet Gestaltung und Erschaffung, ob als individuelle Ermächtigung oder kollektive Aktion. Auch Frieden muss gebaut werden, und zwar nicht nach IKEA-Bauanleitung, sondern als selbstständiges, kontinuierliches Projekt von der Bevölkerung vor Ort. ‚Kreative Friedensarbeit‘ ist ein Teil der ‚alltäglichen Friedensarbeit‘, das sind Mittel und Methoden, die Menschen in gespaltenen Gesellschaften erschaffen und verwenden, um ihr Überleben und alltägliches Leben im Konflikt zu navigieren. Sie erschaffen diese Wege zum Frieden vom Grund auf (‚bottom-up‘). Diese oft übersehene Realität ermahnt uns, dass jeder Beitrag zum Frieden Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient. Ebenso kann es uns in unserem eigenen gewaltfreien Engagement für den Frieden darin bestärken, unserer Kreativität dabei keine Grenzen zu setzen.

Text von Katharina Schmitz
EnglishenEnglishEnglish