Kategorie: Werkzeugkasten

  • Veranstaltungstipps!

    Das sind unsere Veranstaltungstipps für die kommenden Monate!

    Im Mai 2026

    5. Mai | Di 18:30
    Überlegungen zur kollektiven Psychologie der Ukraine-Krise
    Thema des Abends: Dr. (habil.) Dieter Sandner (Psychoanalytiker und Gruppenanalytiker; München) referiert und diskutiert über sein Buch „Überlegungen zur kollektiven Psychologie der Ukraine-Krise“
    Wo: Freiburg, Mensa Hebelschule; Engelbergerstraße 2 (Eingang über Eschholzstraße); 79106 Freiburg

    8. Mai | Fr
    Schulstreiks gegen die Wehrpflicht
    Die Schulstreiks gegen Wehrpflicht gehen in die 3. Runde. Überall in Deutschland gehen Schüler*innen am 8. Mai 2026 auf die Straße, um gegen die Reaktivierung der Wehrpflicht zu demonstrieren. Hintergründe und Links zu Freiburg, Heidelberg, Stuttgart u.a. Städte: https://www.friedenskooperative.de/aktion/schulstreiks-gegen-die-wehrpflicht-am-8-5

    13. Mai I Mi
    Aktionärsversammlung von Heidelberg Materials
    Aktionstag von der Kampagne End-Cement
    https://end-cement.earth/

    14. – 25. Mai I Do – Mo
    Die Kulturelle Landpartie im Wendland und der KURVE Wustrow
    zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, finden wieder unzählige politische und kulturelle Veranstaltungen im gesamten Landkreis Lüchow-Dannenberg statt, so auch ein umfangreiches Programm im Tagungshaus der KURVE Wustrow:
    https://www.kurvewustrow.org/aktuelles/kulturelle-landpartie-2026-bei-uns-wustrow

    28.-30. Mai I Do – Fr
    Massenaktion im Ruhrgebiet
    Jetzt erst recht: Raus aus allen fossilen Energien!

    Juni 2026

    20. – 28. | Mi – Do
    Friedenscamp Ramstein
    Wir weigern uns Feinde zu sein! In einer Welt, die von Konflikten geprägt ist, lehnen wir es ab, Feinde zu sein. Wir sehen die Menschheit als eine Familie und halten es für unsere politische und kulturelle Verantwortung, Empathie für alle Menschen zu zeigen, die unter den Folgen von Kriegen leiden. Die Kampagne Stopp Air Base Ramstein setzt mit Protesten gegen Krieg und den Einsatz von Kampfdrohnen und dem Friedenslager in Steinwenden (in unmittelbarer Nähe der Luftwaffenbasis Ramstein) ein klares Zeichen für friedlichen Widerstand. Eine Woche lang gemeinsam den Frieden leben, den wir uns für die Welt wünschen. https://www.stoppramstein.de/impressionen-2025/

    Juli 2026

    6. Juli | 18:00- 21:00 online
    Solidarisch im Angesicht von Diskriminierung
    Dieser Workshop will dazu ermutigen, die eigenen Privilegien zu nutzen, Verbündet sein (Allyship) zu leben und durch reflektiertes Handeln aktiv Diskriminierung im eigenen Alltag zu bekämpfen.
    https://gewaltfreihandeln.org/civicrm/event/info?reset=1&id=137

    August 2026

    3. – 14. August | Italien
    Campo della Pace 2026
    Internationale Jugendbegegnung & Friedenscamp Pruno und Sant‘ Anna di Stazzema. Wir laden Dich ein, beim „Campo del la Pace“ teilzunehmen, „Friedensbeweger:in“ und Zweitzeug:in zu werden! Denn: Vergangenheit verstehen heißt auch Zukunft gestalten! Von Veranstaltern aus Baden-Württemberg, für junge Menschen von 17 bis 26 Jahren: https://www.nfjw.de/veranstaltungen/-/-/show/6643/internationale_jugendbegegnung_friedenscamp_campo_della_pace_2025/

    21. – 24. August I St. Georgen, Schwarzwald
    AMS Camp
    Das AMS ist ein Camp im Schwarzwald und wird selbstverwaltet organisiert. Kultur-/ Veranstaltungen und Diskussionen um Geschlech terverhältnis, Kapitalismus und Nationalismus. Spendenrichtwert: 30 – 60€, für Küchen: 7€/Tag/Person, wer weniger hat, gibt weniger. https://amscamp.de/

  • Neue Herausforderung an Gewaltfreien Widerstand

    Neue Herausforderung an Gewaltfreien Widerstand

    Ein Bericht zur Jahresversammlung der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion

    Die Werkstatt für Gewaltfreie Aktion ist immer recht nahe am politischen Kampagnengeschehen, wenn es um neue partizipative Bewegungen geht.

    So auch bei der Jahrestagung Ende März 2026 im WeltHaus Heidelberg beim Austausch zwischen Aktiven der Werkstatt und jungen Aktivistis aus Heidelberger Zusammenhängen von Widersetzen, Fridays for Future und Schülis gegen die Wehrpflicht.

    Uns alle bewegt die Frage, wie heute Ziviler Ungehorsam und Gewaltfreier Widerstand in den Bewegungen um uns herum genutzt werden können und welche Bedarfe oder Wünsche an die Werkstatt-Arbeit daraus entstehen. Denn die historische Erfahrungen und theoretische Erkenntnisse zu Gewaltfreiem Widerstand vererben sich nicht genetisch, sondern werden immer wieder neu erlebt, erlernt und weiterentwickelt.

    Junge und ältere Generationen finden zusammen

    Wir teilen die Erfahrungen der Wellenförmigkeit von Bewegungen, wie etwa bei FFF erlebt. Und wir halten fest wie wichtig es ist, Gelerntes und Erfahrenes in neue Bewegungen und Zusammenhänge einbringen und nutzen zu können. Positive Erlebnisse der Selbstwirksamkeit bei Schulstreiks gegen die Wehrpflicht sind zugleich Erfahrungen mit Repression durch Schulleitungen. Für Widersetzen sind Repressionserfahrungen durch die Polizei ein großes regelmäßiges Thema, zugleich sind die Erfahrungen von massenhaftem Zivilen Ungehorsam positiv prägend für sehr viele jungen Menschen.

    Anders als in früheren Ein-Punkt-Bewegungen wie etwa gegen NATO-Nachrüstung oder Atomkraft, wird in den aktuellen Bewegungen die Intersektionalität, also die Überschneidung und Gleichzeitigkeit verschiedener Formen von Diskriminierung gegenüber einer Person, sehr betont und beachtet. Auch wird gegen Klimakatastrophe, Wehrpflicht und Rechtsextremismus nicht ohne Kapitalismuskritik angegangen. Dies stellt besondere Ansprüche an die Komplexität politischer Kampagnen.

    Konkrete Bedarfe sind offene und zugleich geschützte Räume, Ressourcen für eigene Aktionen, das Erlernen von Grundprinzipien und der Methoden Gewaltfreien Widerstandes sowie Reflexion und Beratung in strategischer Kampagnenplanung. Außerdem ist der Wunsch nach Austausch zwischen jüngeren und älteren Bewegungen und deren Aktiven deutlich geäußert, um in beide Richtungen weiter voneinander lernen zu können.

    Mehr Infos

    https://fridaysforfuture-heidelberg.de/
    https://www.instagram.com/schulstreikgegenwehrpflicht.hd
    https://www.instagram.com/wider.setzenhd/

    Geschrieben von Harald Müller
  • Stammtischkämpfer*innen gegen Rechts – eine Qualifikation

    Stammtischkämpfer*innen gegen Rechts – eine Qualifikation

    Die Wahlen zum Landtag in Baden-Württemberg standen vor der Tür. Für die AfD wurden große Stimmengewinne vorausgesagt.

    Was also tun?

    Ansprachekonzepte mussten her. Wie können wir unschlüssige Wähler*innen davon abhalten, ihre Stimme den Blauen zu geben? Da kam das alte Konzept der Ausbildung von Stammtischkämpfer*innen gerade recht. Ein wenig verändert und der aktuellen Situation angepasst und schon konnten wir drei Seminare bewerben: Kurze kompakte 2½-stündige Workshops.

    Wie mit potentiell rechten Wähler*innen, wie mit Sympathisant*innen der AfD sprechen?

    Am Arbeitsplatz, im Familien- und Freundeskreis, in den Vereinen, am Infostand, bei öffentlichen Veranstaltungen und eben auch an Stammtischen? Wie versuchen wir sie davon zu überzeugen, nicht den blauen Rattenfängern auf den Leim zu gehen? Wie unterscheide ich Menschen, die noch zu erreichen sind und jene, die wir verloren haben und jene, die noch nie für Argumente offen sind? Wo lohnt sich das Gespräch, wo nicht?

    Drei Personengruppen wurden vorgestellt. Menschen mit geschlossenem rechtsextremem Weltbild. Menschen, die teilweise menschenfeindliche Einstellungen haben, z.B. gegen Muslime oder Klimaktivist*innen oder gegen Asylsuchende usw., also Menschen mit partiell rechtsextremen Einstellungen. Und eine dritte Gruppe, die Fragen hat und vielleicht verunsichert ist.

    Welche Argumente haben wir, welche Gesprächstechniken sind hilfreich? Mit praktischen Übungen wurde Handwerkszeug vermittelt, für gelingende Gespräche, die uns alle und damit auch unsere Demokratie schützen.

    Kleine theoretische Blöcke wechselten mit Kleingruppen- und Workshop-Phasen. Fünfzehn typische rechte Sprüche nahmen wir zum Ausgangspunkt, um zu überlegen wie darauf zu reagieren wäre. Dabei kristallisierten sich im Wesentlichen 4 Strategien heraus. Je nach Situation und Gegenüber bietet sich mehr das eine oder mehr das andere an.

    Was brauchen wir?

    Wer argumentieren will, braucht viele Argumente. Wer provozieren und verunsichern will, muss schnell, provokativ und schlagfertig sein. Empathie kann hilfreich sein, wo es gelungen ist, eine persönliche Beziehung aufzubauen. Praktisch immer hilfreich und am einfachsten ist es, Fragen zu stellen. Dies war eine große Entlastung für die meisten Teilnehmenden. Denn Fragen kann Mensch immer stellen. „Woher wissen sie das?“ „Haben sie persönlichen Kontakt mit Migranten*innen?“ „Unter welchen Bedingungen wären sie bereit, ihre Heimat zu verlassen?“ Welche Antwort hat die AfD auf die Finanzkrise?“usw.

    Und überhaupt gilt: Wer fragt, führt!

    Drei Abende und jeweils über 35 Personen kamen. Insgesamt über 100 Teilnehmende. Vielen musste abgesagt werden, da der Raum begrenzt war. Interessant war die Zusammensetzung. Ganz überwiegende ältere Menschen und ganz überwiegend Frauen. Viele arbeiten bei den „Omas gegen Recht“. Voller Energie und Bereitschaft etwas für unsere Demokratie zu tun. Sie kamen aus der ganzen Region vom Odenwald bis zum Pfälzerwald. Das Bündnis „Kein Schritt nach Rechts“ hat einen riesigen Verteiler. Neben der praktischen Einübung von Gesprächstechniken rundete ein Rollenspiel den Abend ab. Wie können Menschen mit Menschen ins Gespräch kommen, die zu einem AfD-Infotisch in der Fußgängerzone wollen? Indem wir einen Ring mit Menschen um die Infotische bilden, ist es fast unmöglich, ohne höflich angesprochen zu werden, zu dem Parteitisch durchzudringen. Und wer dann immer noch durchkommt, gehört zu der nicht mehr zu erreichenden Menschengruppe.

    Die Workshops waren ein voller Erfolg. Doch die Partei erhielt bekanntlich bei den Wahlen erschreckende 19%. Den Teilnehmenden war bewusst, dass ihr Engagement nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Zumal das größte Problem von uns gar nicht beeinflusst werden kann. Eine Äußerung von Merz zum „Stadtbild“ oder eine Äußerung von Söder zum „Asyltourismus“ macht alles kaputt, was viele tausend Aktive tagtäglich bemüht sind, aufzubauen: Eine echte Brandmauer! Eine kleine Äußerung der Berliner Politik und 14 Tage scheint es kein anderes Thema mehr zu geben als das „Stadtbild“ und die öffentliche Meinung verschiebt sich wieder ein Stück nach rechts.

    Doch wir bleiben dran

    Gemeinsam mit dem Heidelberger Bündnis bietet die Werkstatt im Mai / Juni Workshops zu „Strategien gegen Rechts – für Gruppen und Aktive“ an – im WeltHaus in Heidelberg.

    Geschrieben von Ulrich Wohland
  • Rote Wollmützen gegen die Nazis, Melt the ICE Hats gegen das Trump-Regime

    Rote Wollmützen gegen die Nazis, Melt the ICE Hats gegen das Trump-Regime

    Gewaltfrei gegen Hitler- das ist eines der meistverkauften Bücher der WfGA. Sie setzt damit dem weitverbreiteten Mythos, dass man gegen Hitler mit gewaltfreiem Widerstand nichts hätte ausrichten können, eine andere Erzählung entgegen. Denn tatsächlich gab es zahlreiche Aktionen zivilen Widerstands in den von Deutschland besetzten Ländern: zur Verteidigung der eigenen Identität, zur Behinderung der Kriegsmaschine und zur Rettung Tausender von jüdischen Menschen.

    Vor allem in Dänemark, Norwegen und Bulgarien gab es organisierten gewaltfreiem Widerstand in großem Stil.

    Die Beschäftigung mit dem gewaltfreien Widerstand in der Nazizeit ist faszinierend und regt zu aktuellen Widerstandsaktionen an. Zu beobachten ist dies zur Zeit vor allem in den USA, wo der Geist des dänischen und norwegischen Widerstands gegen Hitler die Aktionen gegen das Trumpregime inspiriert.

    In Norwegen wurde der militärische Widerstand gegen die deutsche Wehrmacht in kurzer Zeit niedergeschlagen. Danach entwickelte sich ein breit angelegter ziviler Widerstand, der vor allem von den Kirchen und den Lehrerinnen und Lehrern getragen wurde. Diese weigerten sich kollektiv, die nationalsozialistische Ideologie in ihrem Schulunterricht zu übernehmen. Auch nachdem ihnen die Gehälter gestrichen wurden, arbeiteten sie weiter in den Schulen und wurden von den Eltern mit Lebensmitteln unterstützt. Hunderte Lehrkräfte wurden in Straflager transportiert und brutal unter Druck gesetzt, aber sie gaben nicht nach. Am Ende scheiterte der Versuch, Norwegen in einen nationalsozialistischen Staat umzuformen am Widerstand der Lehrerenden und der Kirchen. Zum Zeichen des Protestes gegen die Nazis trugen die norwegischen Bürger*innen rote Wollmützen. Nachdem diese am 26. Februar 1942 verboten wurden, hefteten sie sich Büroklammern ans Revers zum Zeichen dafür, dass alle zusammenhalten.

    Heute sind rote Wollmützen in Minneapolis ein Zeichen des Protestes gegen das Trumpregime.

    Die Methoden der Grenzschutzbehörde ICE werden öffentlich mit jenen der Geheimen Staatspolizei während der Zeit des Nationalsozialismus verglichen. Ein Geschichts-Student, der in einem Laden für Wolle und Handarbeiten arbeitet, erzählte seiner Chefin von den norwegischen Wollmützen. Sie fertigte eine Strickanleitung dafür an und verkaufte diese, um die Aktionen gegen ICE zu unterstützen. Die Idee und die Geschichte dazu gingen viral, so dass in kurzer Zeit die „Melt the ICE Hats“ zu einem Symbol für den Widerstand wurden. Zeitweise war die rote Wolle in ganz Minnesota ausverkauft.

    „Zehn Gebote“ für Dän*innen

    Impulse für den Widerstand in den USA kommen auch aus Dänemark. 1940 griff Deutschland das Land und seine 3,8 Millionen Menschen an. Da es keine militärische Verteidigung aufbauen konnte, kapitulierte Dänemark zunächst. Zunächst blieb es ruhig, doch bald begannen die Dän*innen, sich zu widersetzen. Der Impuls dazu ging von einem 17 jährigen Dänen aus, der frustriert war von der anfänglichen Passivität. Er verfasste die „Zehn Gebote für Dänen“ – einfache moralische Anweisungen, die die Bevölkerung aufforderten, sich gegen die Nazis zu stellen. „Arbeite nicht für die Nazis. Kaufe nicht in ihren Geschäften ein. Glaub nicht an ihre Propaganda. Schützt diejenigen, die sie verfolgen.“ Diese Gebote gerieten außer Kontrolle, wurden von Hand abgeschrieben und an Wände geklebt.

    Die Dänen wurden ermutigt, schlechte Arbeit für die Deutschen zu leisten, das zu zerstören, was den Besatzern wichtig war, und die Unterstützung der Nazi-Kollaborateur*innen zu verweigern. Entscheidend ist, dass die dänischen Gebote betonten, das eigene Privileg zu nutzen, um andere zu schützen: „Du sollst jeden beschützen, der von den Deutschen verfolgt wird“, hieß es.

    Ziviler Widerstand gegen ICE

    Heute erleben wir in den Vereinigten Staaten einen ähnlichen Widerstand: Nachbarschafts-ICE-Wachen und Gemeindemitglieder versuchen, einen menschlichen Schutzschild zu bilden, um Agenten daran zu hindern, ihre Nachbarn festzunehmen.

    Wo die ICE Beamten auftauchen, ertönen Trillerpfeifen. In Geschäften sind sie unerwünscht, in manchen Restaurants werden sie nicht bedient. Vor Hotels, in denen ICE Beamte untergebracht sind, versammeln sich Anwohner*innen zu Demos, um mit Trommeln und Kochtöpfen den ICE Agenten den Schlaf zu rauben. Dies führt dazu, dass Hotels den ICE Beamten die Unterkunft kündigen, um ihre anderen Gäste nicht zu verlieren. Sogar eine ganze Fluggesellschaft weigert sich, ICE Beamte zu transportieren. Wie in den 1940er Jahren in Dänemark bei den „Liederfestivals“, spielt auch beim Widerstand gegen ICE das gemeinsame Singen eine große Rolle. Mehrere Religionsgemeinschaften bieten dafür Raum und unterstützen den Protest aktiv.

    Im August 1943 übernahmen die die Nazis die Regierung in Dänemark komplett. Dann wollte die NS-Regierung – ungestört durch von der dänischen Regierung aufrechterhaltenen Schutzmaßnahmen – die 8.000 jüdischen Bürger*innen Dänemarks in Konzentrationslager deportieren. Ein deutscher Diplomat, dessen Gewissen von der moralischen Klarheit um ihn herum berührt wurde, verriet den Plan. Die Dän*innen handelten schnell: bei einer koordinierten Rettung brachten sie über 90 Prozent der dänischen Jud*innen in Sicherheit nach Schweden, das sie willkommen hieß.

    Heute schützen amerikanische Bürger*innen Migrant*innen, die vor der Deportation durch ICE Beamte Angst haben müssen.

    Sie warnen vor den Patrouillen und bauen ein komplettes alternatives Versorgungssystem auf, damit Migrant*innen nicht beim Einkaufen verhaftet werden. Es gibt Untergrundküchen, Fahrradtransportsysteme mit Essenslieferungen, Kinder werden zum Schulbesuch begleitet. Der Widerstand in den USA geht weit über symbolischen Protest hinaus. Entstanden ist ein komplettes Netzwerk der gegenseitigen Hilfe. Die Bürger*innen der USA praktizieren soziale Verteidigung gegen ihr eigenes Regime.

    Die Werkstatt für Gewaltfreie Aktion ist in Deutschland einer der Knotenpunkte, wo solch sinnvolles Know How gesammelt und verbreitet wird. Menschen und Kampagnen, die sich für lebensfreundliche und emanzipative Bewegungen einsetzen, werden von uns unterstützt.

    Geschrieben von Dietrich Becker-Hinrichs
    Bild von Getty Images via AFP | Stephen Maturen
  • Der Kampf für die Westsahara

    Der Kampf für die Westsahara

    Präsentation aus einem Workshop von Buhari Lehbib.

    Seit 50 Jahren ist die Westsahara nun schon illegal durch den marokkanischen Staat besetzt. Die von dort stammenden Sahrauis leben seitdem teils unter Besatzung, teils in Flüchtlingscamps in Algerien und teils in
    internationaler Diaspora. Sie kämpfen weiter für ihre Unabhängigkeit und
    die Rückkehr in die Westsahara. Mit der jüngsten Entscheidung des
    UN-Sicherheitsrats, den Plan Marrokos gegen die Interessen der Sahrauis
    zu unterstützen, ist das Thema weiter hochaktuell.

  • Smartphone sicherer machen. Wie klappt’s ohne Stress?

    Smartphone sicherer machen. Wie klappt’s ohne Stress?

    Präsentation aus einem Workshop von Kai.

    Unsere Handys und Apps bekommen sehr viel aus unserem Leben mit. Manchmal ganz schön gruselig und sich dagegen zu wehren ist für viele schnell überfordernd. Das muss nicht so sein – im Workshop schauen wir uns an, wie die ersten Schritte zu einem sichereren Smartphone aussehen können. Egal ob es dir um Datensparsamkeit, besserer Schutz vor Stalking, Vorbereitungen zu direkten Aktionen oder einfach um allgemeine Tipps geht.

  • How-To visuelles Aktionsdesign

    How-To visuelles Aktionsdesign

    Präsentation aus einem Workshop von Nils Urbanus.

    Wie können wir Aktionen so gestalten, damit unsere Botschaften unüberhörbar sind, wir nicht allzu leicht als Chaoten abgestempelt oder schlicht und einfach nicht zu leicht ignoriert werden können? Überraschend relevant (und trotzdem zu oft vergessen) ist dabei die Rolle von dem Visuellen Auftreten — also der Komposition, Farbgebungen und kleinen ästhetischen Details unserer Proteste.

  • Digital Organizing: Wir können wir Massenmails nutzen?

    Digital Organizing: Wir können wir Massenmails nutzen?

    Präsentation aus einem Workshop von Nils Urbanus.

    Wie können wir mit digitalen Tools eine stärkere Machtbasis aufbauen? Im Fokus stehen dabei Massenmails: Sie wirken oft behäbig und nach klassischen NGO-Tools, können aber auch innerhalb von Bewegungen wirkungsvoll eingesetzt werden. Es geht um zentrale Grundsätze, mögliche Tools und strategische Herangehensweisen.

  • Basics der Kampagnenplanung

    Basics der Kampagnenplanung

    Präsentation aus einem Workshop von Ulrich Wohland.

    Aktionen und Demonstrationen allein helfen nicht – es braucht Kampagnen. Aber was sind die Basis-Voraussetzungen, um erfolgreiche Kampagnen aufzubauen?

  • Eine Buchvorstellung: Zuversicht jetzt!

    Eine Buchvorstellung: Zuversicht jetzt!

    Geschrieben von Sara Fromm, Bewegungsarbeiterin bei der WfGA.

    Unsere ehemalige Geschäftsführung Sara Fromm hat ein Buch herausgebracht. Wir dürfen hineinschauen.

    Klimakrise. Rechtsruck. Aufrüstung. Krise, soweit das Auge reicht. Und es scheint gerade irgendwie alles noch schlimmer zu werden. Als ich letztes Jahr vom Löwenzahn Verlag gefragt wurde, ob ich ein Buch zum Thema „Klimakrise und Arbeit“ schreiben wollen würde, dachte ich: Spannendes Thema – aber was es gerade wirklich braucht, ist doch vor allem auch praktisches Handeln, um die dringend notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen voranzubringen.

    Individuelle Konsum- oder Verhaltensänderungen reichen dafür nicht aus. Was wir stattdessen tun brauchen – und die Werkstatt seit 50 Jahren unterstützt – ist politisches Handeln. Gemeinsam zu handeln, uns zu organisieren und uns damit im Endeffekt selbst zu ermächtigen. Und das Ganze möglichst strategisch zu tun. Dazu durfte ich während meiner Zeit als Geschäftsführerin bei der Werkstatt, aber auch jetzt als freie Mitarbeitende sehr viel lernen. Und deswegen habe ich lieber darüber ein Buch geschrieben, in der Hoffnung, dass es Mut macht und Zuversicht gibt – und Menschen zum Handeln bewegt.

    Leseprobe aus „Zuversicht jetzt – den Krisen der Welt mutig begegnen“:

    Ich sehe gerade noch, wie eine junge Frau von Polizisten über den Asphalt weggeschleift wird. Nach und nach arbeiten sich die Polizist:innen weiter vor und räumen die Blockade, die wir auf der Brücke mitten in Madrid heute früh mit unseren Körpern errichtet haben. Wir sind hier, weil wir eine andere Verkehrs- und Klimapolitik von der Regierung in Madrid und in Spanien fordern. Weil all die Demonstrationen und Petitionen bisher nicht viel gebracht haben, sitzen wir heute, im Jahr 2019, bei der ersten Massenaktion der Klimagerechtigkeitsbewegung in Spanien, an einem Samstagmorgen auf der Straße. Vor mir fängt jemand laut an zu rufen: „Show me what democracy looks like!“ und wir antworten im Sprechgesang: „This is what democracy looks like!“

    Ich werde nervös beim Blick auf die Polizist:innen, bei denen der Geduldsfaden gerissen ist oder die noch nie einen hatten – und direkt mit Knüppel und Schmerzgriffen hantieren. Während ich immer wieder „This is what democracy looks like!“ rufe und damit meine Zuversicht in die Demokratie zeige und in die Tatsache, dass unser Protest Teil dieses Aushandlungsprozesses ist, hagelt es Schmerzgriffe um mich herum. Wie zynisch, schießt es mir durch den Kopf. Denn auch so kann Demokratie aussehen – wenn falsche Werte mit Gewalt durchgesetzt werden und friedlichem Protest die gesamte Breitseite der staatlichen Gewalt entgegenschlägt.

    Erfolge sind kein linearer Fortschritt. Soziale Bewegungen machen nicht immer nur Schritte nach vorne. Stattdessen sind „Niederlagen Teil unseres Weges“, wie Timo Luthmann es formulierte. Und es gibt Phasen, in denen soziale Bewegungen mehr Erfolg haben, mehr gedeihen als in anderen Zeiten. Diese Phasen können mit verschiedenen Konzepten widergespiegelt werden, wie beispielsweise den „Jahreszeiten“ vom Ayni Institute oder dem „Movement Action Plan“ von Bill Moyer.

    Soziale Bewegungen sind der Schlüssel für progressiven sozial-ökologischen Wandel. Für die Veränderungen, die wir in unserer Gesellschaft so dringend brauchen, müssen wir uns gemeinschaftlich einsetzen, uns dafür organisieren. Wir alle können und sollten Teil von sozialen Bewegungen sein. Und für Themen, die uns besonders am Herzen liegen, nicht nur in der Wahlkabine eintreten, sondern auch auf der Straße. Ohne Menschen, die genau das in der Vergangenheit getan haben, wären wir heute nicht dort, wo wir gerade sind. Ohne die Kämpfe der Frauenrechtsbewegung könnte ich heute nicht wählen gehen. Ohne die Arbeiter:innenbewegung wäre die 5-Tage-Woche undenkbar.

    Das Tolle daran? Wir können von unseren Vorgänger:innen lernen. Wir müssen das Rad nicht komplett neu erfinden, sondern können von den Erfahrungen anderer profitieren. Dafür lohnt sich ein Blick auf einige erfolgreiche Beispiele aus den letzten Jahrzehnten: die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die deutsche Anti-Atomkraft-Bewegung und die argentinische feministische Bewegung.

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