Ulrich Wohland bei der Jahresversammlung am 28.03.2026

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Stammtischkämpfer*innen gegen Rechts – eine Qualifikation

3–4 Minuten

Die Wahlen zum Landtag in Baden-Württemberg standen vor der Tür. Für die AfD wurden große Stimmengewinne vorausgesagt.

Was also tun?

Ansprachekonzepte mussten her. Wie können wir unschlüssige Wähler*innen davon abhalten, ihre Stimme den Blauen zu geben? Da kam das alte Konzept der Ausbildung von Stammtischkämpfer*innen gerade recht. Ein wenig verändert und der aktuellen Situation angepasst und schon konnten wir drei Seminare bewerben: Kurze kompakte 2½-stündige Workshops.

Wie mit potentiell rechten Wähler*innen, wie mit Sympathisant*innen der AfD sprechen?

Am Arbeitsplatz, im Familien- und Freundeskreis, in den Vereinen, am Infostand, bei öffentlichen Veranstaltungen und eben auch an Stammtischen? Wie versuchen wir sie davon zu überzeugen, nicht den blauen Rattenfängern auf den Leim zu gehen? Wie unterscheide ich Menschen, die noch zu erreichen sind und jene, die wir verloren haben und jene, die noch nie für Argumente offen sind? Wo lohnt sich das Gespräch, wo nicht?

Drei Personengruppen wurden vorgestellt. Menschen mit geschlossenem rechtsextremem Weltbild. Menschen, die teilweise menschenfeindliche Einstellungen haben, z.B. gegen Muslime oder Klimaktivist*innen oder gegen Asylsuchende usw., also Menschen mit partiell rechtsextremen Einstellungen. Und eine dritte Gruppe, die Fragen hat und vielleicht verunsichert ist.

Welche Argumente haben wir, welche Gesprächstechniken sind hilfreich? Mit praktischen Übungen wurde Handwerkszeug vermittelt, für gelingende Gespräche, die uns alle und damit auch unsere Demokratie schützen.

Kleine theoretische Blöcke wechselten mit Kleingruppen- und Workshop-Phasen. Fünfzehn typische rechte Sprüche nahmen wir zum Ausgangspunkt, um zu überlegen wie darauf zu reagieren wäre. Dabei kristallisierten sich im Wesentlichen 4 Strategien heraus. Je nach Situation und Gegenüber bietet sich mehr das eine oder mehr das andere an.

Was brauchen wir?

Wer argumentieren will, braucht viele Argumente. Wer provozieren und verunsichern will, muss schnell, provokativ und schlagfertig sein. Empathie kann hilfreich sein, wo es gelungen ist, eine persönliche Beziehung aufzubauen. Praktisch immer hilfreich und am einfachsten ist es, Fragen zu stellen. Dies war eine große Entlastung für die meisten Teilnehmenden. Denn Fragen kann Mensch immer stellen. „Woher wissen sie das?“ „Haben sie persönlichen Kontakt mit Migranten*innen?“ „Unter welchen Bedingungen wären sie bereit, ihre Heimat zu verlassen?“ Welche Antwort hat die AfD auf die Finanzkrise?“usw.

Und überhaupt gilt: Wer fragt, führt!

Drei Abende und jeweils über 35 Personen kamen. Insgesamt über 100 Teilnehmende. Vielen musste abgesagt werden, da der Raum begrenzt war. Interessant war die Zusammensetzung. Ganz überwiegende ältere Menschen und ganz überwiegend Frauen. Viele arbeiten bei den „Omas gegen Recht“. Voller Energie und Bereitschaft etwas für unsere Demokratie zu tun. Sie kamen aus der ganzen Region vom Odenwald bis zum Pfälzerwald. Das Bündnis „Kein Schritt nach Rechts“ hat einen riesigen Verteiler. Neben der praktischen Einübung von Gesprächstechniken rundete ein Rollenspiel den Abend ab. Wie können Menschen mit Menschen ins Gespräch kommen, die zu einem AfD-Infotisch in der Fußgängerzone wollen? Indem wir einen Ring mit Menschen um die Infotische bilden, ist es fast unmöglich, ohne höflich angesprochen zu werden, zu dem Parteitisch durchzudringen. Und wer dann immer noch durchkommt, gehört zu der nicht mehr zu erreichenden Menschengruppe.

Die Workshops waren ein voller Erfolg. Doch die Partei erhielt bekanntlich bei den Wahlen erschreckende 19%. Den Teilnehmenden war bewusst, dass ihr Engagement nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Zumal das größte Problem von uns gar nicht beeinflusst werden kann. Eine Äußerung von Merz zum „Stadtbild“ oder eine Äußerung von Söder zum „Asyltourismus“ macht alles kaputt, was viele tausend Aktive tagtäglich bemüht sind, aufzubauen: Eine echte Brandmauer! Eine kleine Äußerung der Berliner Politik und 14 Tage scheint es kein anderes Thema mehr zu geben als das „Stadtbild“ und die öffentliche Meinung verschiebt sich wieder ein Stück nach rechts.

Doch wir bleiben dran

Gemeinsam mit dem Heidelberger Bündnis bietet die Werkstatt im Mai / Juni Workshops zu „Strategien gegen Rechts – für Gruppen und Aktive“ an – im WeltHaus in Heidelberg.

Geschrieben von Ulrich Wohland
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