Geschrieben von Ulrich Wohland, Bewegungsarbeiter bei der WfGA.
Was verursacht die größten CO2-Emissionen? Nein, nicht der Auto-Verkehr, nicht die Flugindustrie oder die Stahlindustrie, sondern der Bausektor. Rund 40% Anteil, so die Architects for Future, gehen auf den Bausektor zurück und ca. 10% direkt auf die Bauindustrie. Mit „EndCement“ haben wir in Heidelberg im Frühjahr eine regionale Kampagne mit überregionaler Ausstrahlung begonnen. Mit dabei sind u.a. „Fridays for Future“, „Letzte Generation“, und „Extinction Rebellion“, die „Architects for Future“, sowie die Werkstatt für Gewaltfreie Aktion. Wir treffen uns wöchentlich im Büro der Werkstatt im Heidelberger Welt-Haus und regelmäßig in Arbeitsgruppen.
Warum Zement?
Zement ist ein fossiler Rohstoff. Genauso wie Öl, Gas und Kohle. Kalkstein, der wichtigste Grundstoff für Zement, ist ein fossiler(!) Rohstoff. Beim Herstellen von Zement bei ca. 1400 Grad werden Unmengen von Energie gebraucht, zum großen Teil aus Plastik, das wir vorher in der Wertstofftonne gesammelt haben. Hinzu kommen Unmengen von Altreifen über Klär-schlamm und Altöl bis hin zu zermalmten Tieren. Trotzdem schafft es die Zementindustrie bisher unterm Radar zu bleiben. Das wollen wir ändern. „Heidelberg Materials“, ehemals „Heidelberg Zement“ ist unter den DAX-Konzernen aktuell der größte CO2-Emittent, noch vor RWE und EON. Schon seit Jahren laufen hier in Heidelberg vielfältige Aktionen und jetzt wird das Ganze in eine langfristige Kampagne gegossen.
Was ist geplant, was läuft schon?
Eine Unterschriftenliste an den Gemeinderat ist auf den Weg gebracht. Heidelberg bezeichnet sich gerne als klima-bewusste Modellkommune, die bis 2040 klimaneutral sein möchte. Wie soll das gehen, wenn der größte Produzent von CO2 in Heidelberg seinen Sitz hat? Bitte geht auf die
Seite und unterschreibt. „Heidelberg Materials“ ist ein großer Sponsor von Kulturveranstaltungen, etwa bei dem Heidelberger Frühling einem Großevent. Das Kultur-Sponsoring wollen wir hinterfragen. „Wir alle lieben Kultur- aber wer liebt CO2?“. ultursponsoring als Greenwashing. „Heidelberg Materials“ weigert sich einen Entschädigungsfonds einzurichten und einen unabhängigen Bericht zur Einhaltung der Menschenrechte in Auftrag zu geben. Solange das weiterhin nicht passiert, sollte sich dieser Konzern nicht auf städtischen Kulturveranstaltungen, wie dem Heidelberger Frühling, als Wohltäter darstellen.
Die weltweite Zerstörung
„Heidelberg Materials“ ist im großen Stil in der Westsahara und Togo aktiv, in Palästina und Indonesien. Dort kämpft die Bevölkerungsgruppe der Samin seit 10 Jahren gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch „Heidelberg Materials“. Zusammenarbeit mit Gruppen aus dem Globalen Süden sind wir Teil der Kampagne. Das Unternehmen handelt völkerrechtswidrig und es
wird ihm weltweit Landgrabbing, die Vertreibung indigener Gruppen, Ausbeutung von Arbeitenden, Bruch von Völkerrecht und Kooperation mit Diktaturen vorgeworfen. Wir fordern eine unabhängige Berichterstattung
zu den Menschenrechten und Klimathemen. Der Kalksteinfraß nimmt weltweit zu. Immer mehr Sand wird benötigt. Ganz spezieller Sand, den es überwiegend an Stränden und auf Inseln gibt. Diese Sandquellen sind
begrenzt. Dank einer globalen Sandmafia verschwinden derzeit ganze Ökosysteme.
Zeit für die Bauwende
Ohne eine Bauwende in unseren Städten wird es keine Klimawende gegen. „Sanieren statt Abriss“ ist deshalb eine der Forderungen. Das wollen wir mit einem Bürger:innenrat „Bauwende in Heidelberg“ auf den Weg bringen. Zement kann nicht die Zukunft sein. Die Stadt Heidelberg muss einen ausgelosten Bürger:innenrat zur Bauwende in Heidelberg beauftragen. Potenziale für klimaneutrales Bauen gibt es ohne Ende: Renovierung statt Neubau, Umnutzung statt Wohnungsmangel und Holz & Lehm statt Beton. Also lasst Bürger*innen endlich über die Bauwende in Heidelberg entscheiden! Wer sich dazu informieren will: Der Klimaexperte Hans-Joachim Schellnhuber stellt dazu sein Projekt „Bauhaus der Erde“ vor: Anschauen – es lohnt sich!
Eine erste Demo zum Thema wurde bereits gemeinsam mit FfF in Heidelberg organisiert. Für kommendes Jahr planen wir weitere Demonstrationen und ein Klima- und Aktionscamp, zu dem wir bundesweit mobilisieren. „Heidelberg Materials“ (Werbespruch: Material To Build Our Future) hat natürlich eine
Lösung für alle Probleme: Die Speicherung von CO2 unter der Erde, das sogenannte CCS-Verfahren – Carbon Capture Storage. Dieses ist selbst ungeheuer energieaufwendig, erfordert Pipelines von 5000 km allein in Deutschland oder entsprechende Transporter als Kolonnen auf den Autobah-
nen. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass 2050 nur ca. 20% des CO2 bei der Zementerzeugung auf diese Weise gespeichert werden kann, dann haben wir nichts mehr für die Stahlindustrie und die Energieindustrie und und und.
Gewaltfreie Aktion
Anders als aktuell in der Friedensbewegung ist die Philosophie der Gewaltfreiheit und des Zivilen Ungehorsams in den „Klima-Gruppen“ fest verankert. So fallen auch die Kampagnen- und Bewegungsphilosophien von Bill Moyer, Gene Sharp und Erica Chenoweth auf fruchtbaren Boden. Dank der
Orientierung an „follow the science“, treffen wir hier nicht auf irgendwelche QuerdenkerPhilosophien. Auch die Kritik an den Parteien auf der Bundesebene ist fest verankert. Die Grünen sind für die zumeist jüngeren Aktivisti eine riesengroße Enttäuschung beim Thema Klima.
Besucht unsere Website. Unterschreibt und spendet: Denn „Widerstand braucht Kohle“ – äh sorry – denn natürlich ist ohne „Moos nichts los“.



